Stadtführung Dezember2016

Die medizinische Stadtführung "Von Bartscherern, Stadtärzten und Siechenmüttern".

Wir beginnen unsere medizinische Reise vor der Stiftskirche St. Gallen mit der Legende des heiligen Gallus und dem Klostergründer Otmar welche den Eingang der Kathedrale zieren.
Frau Widrig führte uns danach 90 Minuten durch St. Gallen und berichtete von allerlei medizinischen Geschichten und Anekdoten der Stadt. Angefangen mit den ersten angelegten, damals offenen Wasserkanälen durch die Stadt, welche den stinkenden Abfall wegbeförderten, von stinkenden Jauchegruben, welche das Zusammenleben der Bürger erschwerte und die Justiz beschäftigte, von Seuchen und Aussatz, von Paracelsus und dem Stadtarzt Vadian bis hin zum Bürgerspital und dass zu dieser Zeit sogar Henker um medizinischen Rat gefragt wurden.

Die Bartscherer
Der Legende nach konnten gewisse Bürgerschichten nur an Ostern und vor Weihnachten baden. Die Aufgabe des Bartscherers war zunächst das Haareschneiden sogenannte "trockene" Rasuren. Der Bartscherer behandelte aber in den dazumal angelegten Bädern, da hier die Badenden ohnehin nur mit einem Badeleibchen bekleidet waren, auch Wunden, Eiterstellen, Knochenbrüche, zog Zähne, machten Aderlass oder stellten Salben her. Er war somit näher beim Volk als der Stadtarzt, welcher die Regierung bei Seuchen usw. beraten musste und bei einer Epidemie, um nicht angesteckt zu werden, die Stadt verliess.

Die Stadtärzte
In St. Gallen gab es von 1348 bis 1635 nicht weniger als 14 schwere Epidemien, die bis zu einem Drittel der Bevölkerung dahinrafften. Der als Stadtarzt angestellte Vadian (Joachim von Watt) erlebte drei grosse Pestzeiten. Er reiste jedoch ausgerechnet vor der ersten Pest für die Heirat mit einer Zürcherin in das noch kaum bevölkerte Wädenswil. Als Berater war er für die Menschen in St. Gallen von immenser Wichtigkeit und durfte auf keinen Fall sterben, so mied er während der ansteckenden Zeit St.Gallen und überlies die Arbeit den Apothekern, Bartscherern und den Pfarrern.


Siechenmüttern
Die Leprösen fanden Aufnahme im sogenannten Siechenhaus. Das vor 1219 gegründete Siechenhaus der Stadt St.Gallen lag in im Linsebühl. Die Siechenhäuser lagen grundsätzlich ausserhalb der Stadt, damit die ansteckenden Leprösen nicht mit den gesunden Stadtbewohnern in Kontakt kamen. Eine gedeckte Brücke führte vom Obergeschoss des Siechenhauses über die Strasse direkt zur Empore der Kirche, damit war es den Leprösen möglich, dem Gottesdienst beizuwohnen, ohne das Gebäude verlassen zu müssen. Die Siechenmütter leiteten das Siechenhaus und standen vielfach dem Pfarrer nahe.

Schon im Mittelalter wurde von Paracelsus dem Bier "göttliche Medizin" mit heilender Wirkung zugesagt oder das Bier als Kosmetikum oder zum Haare waschen eingesetzt. So liessen wir uns im National, Goldener Leuen oder ganz einfach Naz das Bier als "moderne" Medizin schmecken oder genossen einen heissen Tee um die kalten Glieder zu wärmen.

Vielen Dank an die Organisatoren und an Frau Widrig für die interessanten 90 Minuten im medizinischen Mittelalter von St.Gallen.
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